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21.10.2026 · ~9 MIN LESEZEIT · [STARTSEITE]

Der Weltraum, unendliche Weiten...

Wie von einem kaputten tmux Setup die Idee und Umsetzung zu einer eigenen App für Linux und Mac wurde.

Die tmux Jahre

Ich mag tmux – und das ist noch untertrieben. Ich habe tmux, seit ich 2012 in meiner aktuellen Stelle als Admin für Proxyserver & DNS angefangen habe, wirklich jeden Tag genutzt. Ich springe über viele Sessions (Panes) und habe mir mein tmux entsprechend zusammengeklopft. Über die Jahre immer mehr verfeinert. Da ich einen großen Wert auf Ästhetik lege, sind irgendwie die eckigen Klötze der Tableiste schönen Pillen gewichen. Das Theme habe ich lose an Catppuccin angelehnt. Hier einmal ein Beispielbild:

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Auch die Steuerung habe ich auf mich angepasst. Ctrl (oder Strg) + Cursor links/rechts und ich springe von einem Tab ins nächste. Von Server A nach Server B mit einem Tastendruck. Wenn ich dann dort zwei Sessions geöffnet habe, kann ich mit Shift + links/rechts (oder oben/unten und natürlich auch mit HJKL) die Panes ansteuern. Für meinen Proxycluster habe ich z.B. vier Sessions angeordnet, im Kreuz. Mit Ctrl + A starte ich den Sync und kann mit einem tail -f | grep -F "<IP>" mitlesen, was der Mitarbeiter oder Anwender gerade ansurft, was zum Debugging recht praktisch ist. Kurz gesagt: tmux ist mein erstes Tool, das ich morgens auf dem Server mit tmux -a starte (wobei das -a für attach steht). Bis jetzt.

Ich arbeite nun 14 Jahre im aktuellen Job und auch hier merkt man, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen ist. Vieles wird automatisiert und auch unattended Upgrades gehen nicht spurlos an meiner tmux Session vorüber. Jeden zweiten Tag sind meine Sessions, dem Reboot geschuldet, verschwunden. Nun habe ich mir einmal ein kleines Script gebaut, das alle Sessions und Sub-Sessions und Panes und Tiling wieder einigermaßen hinbiegt. Ja, das geht. Dennoch bin ich raus aus meinem Kontext. Ich merke auch, dass ich immer mehr im Browser erledigen kann. Das oben genannte Debugging für Proxys ist mittlerweile einem zentralen Log-Speicher gewichen, der mir dann erlaubt, mit einem Befehl alle zentralen Proxys bzw. deren Logs auf einmal zu durchsuchen. Damit fällt schon einmal ein gewisser Anteil meiner Tätigkeiten im Server weg. DNS Management läuft seit eh und je über eine Webanwendung, aber natürlich muss man hier ab & an mal auch per SSH ran. Generell ist die Idee, SSH jetzt einfach zu "lassen", überhaupt nicht das, was mir in den Sinn kommt. Wenn SSH, dann aber bitteschön mit Stil!

Und so kam mir die Idee, eine Software zu benötigen, die das kann. Dienstlich nutze ich Ubuntu, allerdings im Dienstkontext, entsprechend bin ich, was Root-Rechte angeht, außen vor. Neue Installation per DEB? Keine Chance, man muss sich an die IT wenden – und das kann dauern. Viel zu lange. Aktuell kann ich noch AppImages selber aus dem Netz laden und dann mit chmod +x startfähig machen und nutzen. Dennoch wollte ich erst einmal die mitgelieferte Software ausprobieren. Vielleicht reicht's ja. Und so steckte ich meine Nase einen langen Nachmittag lang in Remmina. Eigentlich eher für VNC und RDP Sessions gedacht, kann es aber auch mit SSH umgehen. Meinen Stapel an Verbindungen hatte ich ja einigermaßen schnell reingeklimpert, ausprobiert, läuft. Aber die Optik... nein, ich lege wie gesagt großen Wert auf die Optik (m)eines Terminals, ich bekomme die Krise, wenn ich sehe, wie manche einfach die Default Terminals nutzen – aber das muss ja jeder selber wissen. Der langen Rede kurzer Unsinn, ich wurde nicht glücklich mit Remmina. Einige Verbindungen entschlossen sich, in eigenen Fenstern aufzugehen, andere mit mehreren in einem anderen. Ich habe dann gemerkt, dass es an den Gruppen liegt. Das und dass ich hier nicht mal den Abstand zwischen den Zeilen einstellen kann, und ich.. war raus.

Die nächste Anwendung, die ich dann testen wollte, war der Remote Desktop Manager von Devolutions. Mit einem doofen Gefühl in der Magengegend. Schon unter Windows gefällt mir der so gar nicht. Sieht aus wie aus den 90ern (ja, ich erinnere mich noch an diese gute Zeit, ICQ & Co lassen grüßen), aber heute möchte ich etwas Minimalistischeres. Ein Glück, dass ich das nicht mal "eben so" von der IT bekomme. Wir haben es dann sein lassen, nachdem ich meinem Kollegen freudestrahlend mitteilte, dass ich über das Wochenende mit Antigravity selbst etwas Schickes zusammengeferkelt habe.

Und jetzt, wenn hier noch jemand mitlesen sollte, kommen wir endlich zu dem Punkt, an dem es um den "Weltraum" und die "unendlichen Weiten" geht. Ich bin großer Star Trek Fan, da tauchen wir nochmal kurz in die 90er ab, denn meine absolute Lieblingsserie (obwohl sie nun mit Strange New Worlds wirklich konkurrieren muss) ist Deep Space Nine. Darin gibt es "Subraum Relais". Das sind Teile, die für die Kommunikation verwendet werden, über viele Lichtjahre. Wir wissen natürlich, dass ein Signal von der Sonne zur Erde (oder auch das Licht) 8 Minuten dauert, zum Mond nur 1,3 Sekunden, zum Mars sind es bis zu 22 Minuten, das hängt natürlich von dem Abstand zwischen Mars und Erde ab, der zwischen 50 und 400 Mio. km liegen kann. Mit dem Subraumrelais kann man (ja, irgendwann in der Zukunft ;)) über Lichtjahre hinweg Video Facetime machen ohne Delay. Nett! Das ist ein schönes Bild für mein Tool, das im Grunde auch nur ein Kommunikationsrelais ist.

Also nannte ich es "Subraum". Einfach weil viel zu viel Zeit mit der Nase in Mangas und dem Ansehen von Animes (Gruß geht raus an Frieren, Fern und Stark (葬送のフリーレン) (IYKYK)) mich gelehrt hat, dass trotz unserer problematischen Geschichte ein deutscher Name für ein Produkt, eine Person oder... eben eine Software durchaus "cool" sein kann. Ist es nicht herrlich, wie sich mehrere Interessen hier treffen und ergänzen?

Was genau ist denn nun Subraum?

Subraum ist eine App, die sich durchaus an den Mitbewerbern wie RoyalTS, RDM und eben Remmina orientiert. Ich möchte möglichst wenig Arbeit haben, um eine Verbindung herzustellen. Im Grunde wie bei tmux, nur eben ohne einen extra Server zu benötigen und auf "unattended Upgrades" und deren Uptime angewiesen zu sein. Ich möchte mit einem Klick oder noch besser mit einem Shortcut die Verbindung zu einem meiner Proxys oder DNS Server herstellen. Dabei soll das Ganze auch noch schön aussehen. Tiling wie in tmux soll auch rein und ja, nach Info eines Freundes speichern wir brav die dort anlegbaren Benutzer, die auf ganze Ordner anwendbar sind, in einem KeePass Tresor. Ich weiß nicht, wieso er Unterordner braucht, aber ich habe sein Setup gesehen und.. na gut, dann sollen es Unterordner und davon Unterordner sein.. bis zu einem Level von 10 – habe ich erstmal so festgelegt. Fun Fact: Ich habe einige Features extra für ihn in Subraum eingebaut, nur damit er mir die Tage um die Ohren haut, dass er sich auch sowas mit Claude gebastelt hat. Na schönen Dank auch! 😃

Igitt! Vibe Coded!

Ich mache vieles, kreuz und quer, Proxys, DNS, Domain-Management, IPAM und privat ganz viele Fotos und Design. Aber eines bin ich nicht: ein Programmierer. Auch wenn es in der Welt der IT scheinbar als negativ angesehen wird, für mich ist KI hier ein echter Segen. Mittlerweile drei Anwendungen habe ich mir mit Antigravity zusammengebaut, die mir das Leben sehr stark vereinfachen. Aber mehr zu den anderen Anwendungen in einem späteren Post.

subraum_terminal

Begonnen habe ich mit einer kleinen GTK4 App, die ich auf meinem privaten Linux PC unter CachyOS getestet habe. Dann bot mir ein anderer Kollege an, da ich mit ihm über Claude geplaudert hatte, mein Repo doch mal zu klonen und von ihm durch Claude zu jagen. Begeistert sagte ich Ja und so purzelte nach (vielen) Stunden am Ende eine Rust-Version heraus, als AppImage. Die Basis davon hatte ich über ein Wochenende schon mit Antigravity (genauer gesagt Gemini 3.8 Flash) gebaut. Ich bekam mein AppImage in das Repo aus seinem Gitea (was ich hier auch lokal nutze) zurück und spielte es bei mir wieder ein. Die weitere Bearbeitung und Erweiterung lief dann wieder über Antigravity. Ich hatte jetzt mehrfach den dezenten Hinweis bekommen, dass ich für solche Projekte gar nicht über die 23€ Version von Claude nachdenken müsse. Das "Max", was mit 90€ im Monat (netto!) zu Buche schlägt, müsse es schon sein. Naja.. ich bleibe erstmal bei AGY (Antigravity), gerade weil zeitgleich ein neues Modell released wurde. Argon. Hui! Argon hat es faustdick hinter den Ohren, ich verballerte an einem Wochenende zwei volle Wochenbudgets (Google hatte nachts alle Limits einmal freundlicherweise resettet). Was herauskam, war super, aber.. die Tokens waren schneller weg, als man gucken konnte. So bin ich aktuell wieder mit Gemini 3.8 Flash (High) unterwegs und bastel fröhlich vor mich hin, bzw. gönne mir aktuell 3 Tage Pause, da ich auch dessen Wochenlimits bereits bis auf 4% verputzt habe.

subraum_shortcuts_settings

Mac und Linux

Ich nutze furchtbar gerne Macs. Schon seit meiner Jugend waren es die Rechner, die ich echt cool fand. Mein Vater hatte in den 90ern einen IIci auf dem Schreibtisch im Büro stehen (auf dem auch Sim City lief!). Auf jenem Mac schrieb ich meine Verweigerung (das ist für mich eine schöne Erinnerung, der Zivildienst.. sagen wir mal, war "ok"). Jahre später erfüllte ich mir meinen Traum von einem iBook G3 (white, nicht diese Damenhandtasche), nachdem ich den ganzen Tag in der Ausbildung eh schon an einem Mac saß. Dennoch macht Apple mittlerweile Sachen, die mir nicht passen. Was das macOS selbst angeht, sagen wir, ich habe Mittel und Wege, mein macOS komplett auf links zu drehen, bis mir gefällt, was ich sehe. Nennt sich "ricing" und betreibe ich mit Vorliebe.

Dienstlich habe ich die Wahl zwischen Windows 11 und Linux. Nachdem ich mich hin- und herentschieden hatte (ganz ehrlich, beides läuft im Dienstkontext nicht so schön, wie ich es gerne hätte) und ich Windows so gar nicht leiden kann, bin ich schließlich bei Ubuntu 24.04 LTS angekommen. Ja, das ist auch schon etwas abgehangen, aber soweit relativ stabil. Ich mag Linux, ich mag aber lieber ein schön "gerictes" CachyOS.

Da ich privat eben primär an einem Mac sitze und auch dort natürlich mit Terminals arbeite, kam ja das, was kommen musste. Subraum soll auch auf dem Mac laufen! In AGY hatte ich schon zuvor eine App für meinen Mac entwickelt, Nosferatu, doch dazu später einmal mehr. Also war der Weg gesetzt: AGY an und den Quellcode auf natives Swift mit Mac-nativem Terminal neben dem Linux Build bauen. Wie gesagt... zwei Wochen Argon Token Limits gingen dafür drauf. Rückblickend ein absoluter Glücksfall, denn während die Argon Tokens weggehen wie nichts, sind die Gemini Token Limits unangetastet. Aber auch die habe ich ja nun ausgereizt und so komme ich auch mal dazu, über mein "Subraum" zu schreiben. Es ist natürlich ein persönliches Projekt und ich weiß wirklich nicht, wer damit irgendetwas anfangen will, aber ich habe beide Versionen (Mac und Linux) zur Verfügung gestellt. Schaut mal drauf auf meine Subraum-Seite mit allen Infos, die sich AGY so aus den Fingern gesaugt hat. Natürlich kräftig übertrieben und die Texte sind in einem Marketing-Slang, der zum Wegrennen ist... aber es stehen auch alle wichtigen Infos drin 😊

DENNIS KLEIN
PHOTOGRAPHY · Moers